Eoin Moore
D, 2006
Am beliebtesten ist natürlich der Aufguss. Dann wedelt Jost Molinski (Charlie Hübner) mit seinem Handtuch den Gästen der Sauna die heiße Luft zu, Kiefernlatsche oder Mandarine sind die gefragtesten Sorten. Und danach wird diskutiert: Über den Arbeitsmarkt, das Leben und die Ehe – jene Themen eben, die wichtig sind. Ein Panoptikum bundesrepublikanischer Wirklichkeit hat Regisseur Eoin Moore in seinem “Schwitzkasten” versammelt: Eine Stewardess, die gerade ihren Job verloren hat, einen Langzeitarbeitslosen, einen Redenschreiber für die Liberalen. Am besten funktioniert das, wenn sein Film zur Milieustudie wird: Man kann sich die Sauna mit ihren Gästen genau so in einem Berliner Kiez vorstellen. Ein wenig karikiert ist natürlich alles, ein wenig überspitzt, aber doch nah genug dran am Leben, um einen zu fesseln.
Weniger gut funktioniert die Geschichte, die dann noch eingeflochten wird: Der Sauna droht die Pleite, ein Wellness-Paradies soll aufgebaut, ein Investor gefunden werden, und am Ende gibt es dann sogar einen ominäsen Todesfall. So viel Drama hätte man gar nicht nötig gehabt. Die Dialoge zwischen reich und arm, zwischen Arbeitslosem und Neoliberalem sagen alles, was es zu sagen gibt über die Ungleichheiten einer Gesellschaft, die von sich glaubt, ein funktionierendes soziales Netz zu bieten. Der Regisseur Eoin Moore ist kein Neuling in der deutschen Filmlandschaft: Für Pigs will Fly war er bereits für den Deutschen Filmpreis nominiert, plus-minus-null gewann den Regieförderpreis beim Münchner Filmfest. Moore ist ein guter Beobachter, und seine Charakterporträts sind treffliche Momentaufnahmen. Wenn er sich auf diese Talent konzentriert, könnte er sich zu einem zuverlässigen Kommentator entwickeln, dem man gerne zuhört bei seinen Geschichten über Deutschland.
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