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25 degrés en hiver (25 Grad im Winter)

Stéphane Vuillet
Belgien/Frankreich/Spanien, 2003

Artikel erschienen zur Berlinale 2005

Ein Festivalabschluss, der symptomatisch ist für viele Filme des diesjährigen Berlinalewettbewerbes: nett anzusehen, aber nicht wirklich etwas Besonderes. Forbrydelser, La vida que te espera, Samaria – die Liste ist lang von jenen Filmen der Berlinale, die nicht schlecht sind, aber es auch nicht ansatzweise schaffen, zu Höhepunkten des Filmjahres zu werden. 25 degrés en hiver schließt sich an: Stéphane Vuillet hat einen Film gedreht, der zum Lachen bringt, eine leichte Komödie, obwohl es um Trennungen geht und um verlorengegangene Liebe – und obwohl der Film düster beginnt. Körnige Bilder sind es, die man am Anfang sieht, wie die einer Überwachungskamera. Ein Transport mit illegalen Einwanderern, die abgeschoben werden sollen, verlässt ein Gefängnis. Unter den Passagieren sitzt Sonia (Ingeborga Dapkunaite), und als der Transport von Abschiebungsgegnern aufgehalten wird, nutzt sie ihre Chance zur Flucht. Sie landet direkt in Miguels (Jacques Gamblin) Auto, und diese Zufallsbekanntschaft ist der Ausgangspunkt für die Verwicklungen, die folgen: Sonia sucht ihren Mann, den sie seit mehr als drei Jahren nicht gesehen hat, Miguel bekommt bald unverhofften Besuch von seiner Mutter, und ständig sitzt sein Bruder und Chef ihm im Nacken, weil er eigentlich arbeiten sollte. Herz des Films ist aber die kleine Tochter Miguels, die ihren für einen Familienfilm wohl unverzichtbaren Kindercharme versprüht. Sie vermisst ihre Mutter, die – angeblich aus beruflichen Gründen – nach Amerika ausgewandert ist, und reagiert darum alles andere als begeistert, als sich zwischen Miguel und Sonia eine Nähe zu entspinnen beginnt, die über eine bloße Zweckgemeinschaft hinausgeht.

25 degrés en hiver gelingt durchaus, was er versucht – die Ingredienzen sind da, die man braucht für eine Komödie: ein Zettel mit wichtigen Notizen, der verlorengeht und ganz zufällig von einer der anderen Hauptfiguren gefunden wird oder Arbeitsinspektoren, die gerade dann im Reisebüro von Miguels Bruder auftauchen, als dieser mit seinen Assistentinnen ein Werbefoto schießt, für das er sich in ein Torerokostüm gezwängt hat. Verwechslungen, Mißverständnisse und Verkleidungen – neu ist das alles nicht, zuverlässiger Garant zwar für Humor, aber gleichzeitig das Ende jedweder Innovation.

25 degrés en Hiver ist unterhaltsam, aber leider auch ganz furchtbar harmlos. Alles so hell hier, denkt man, alles so schön ausgeleuchtet – die touristischen Bilder von Brüssel, die jedem Reiseprospekt alle Ehre machen würden, das bunte Auto der Hauptfigur, das den ganzen Film über in Bewegung ist. Man fühlt sich ein wenig erinnert an L’auberge Espanole, in dem sich kürzlich eine Gruppe Studenten durchs ebenso bunt gezeichnete Barcelona lebte. Auch die spanische Herberge war zwar nett, aber wenig mehr. Sicher ist ein unterhaltsamer Familienfilm wie 25 degrés en hiver der Gala-geeignetere Abschluß eines Festivals als Rohmers nicht enden wollende, langweilige Dialogorgie in Triple Agent, Samarias niedergemetzelte Freier oder die drastische Überfahrt nach Amerika in einem Flüchtlingsschiff in Beautiful Country. Dennoch wäre etwas mehr filmische Extravaganz nicht fehl am Platze gewesen, um einen Schlusspunkt zu setzen hinter dieses Festival.

Auf die Frage nach dem perfekten Film antwortet der Regisseur übrigens mit dem Hinweis auf Almodóvars Hable con ella . Hätte er sich nur ein wenig mehr von Almodovar inspirieren lassen, hätte er seine bunten Bilder ein wenig stilsicherer kadriert, seine Geschichte etwas pointierter erzählt, seine Narration etwas weniger konventionell gestaltet – aus 25 degrés en hiver wäre vielleicht mehr geworden als nur ein humorvoller Film, den man sofort wieder vergisst.

Benjamin Happel

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