Kore-Eda Hirozaku
Japan, 2004
Hirozaku Kore-Eda (After Life, Moboroshi) erzählt langsam und konzentriert. Vier Kinder leben auf engstem Raum zusammen – in einem Apartment, das offiziell nur von der Mutter und ihrem ältesten, 11-jährigen Sohn angemietet wurde. In Koffern wurden die drei anderen Geschwister beim Einzug ins Haus gebracht – zusammen mit den Möbeln und Kisten transportiert. Die Mutterfigur in Daremo Shiranai, sie ist praktisch nicht existent. Zu Beginn kommt sie noch nach ihrer Arbeit nach Hause, dann verschwindet sie schon für einen ganzen Monat, und nach ihrem nächsten kurzen Besuch glaubt man auch als Zuschauer nicht mehr an ihre Rückkehr. Es ist die Geschichte einer langsamen Katastrophe, die hier erzählt wird: Zunächst scheint der Junge noch für seine Geschwister sorgen zu können, doch sei kindliche Spieltrieb wird irgendwann stärker, und so verwahrlosen bald Wohnung und Kinder. Man wartet förmlich auf ein bitteres Ende, und doch bleibt die fokussierte Erzählweise des Films immer auch leicht und manchmal sogar optimistisch: Wenn die bis dahin vor dem Vermieter geheimgehaltenen Kinder zum ersten Mal gemeinsam ihr Apartment verlassen, dann ist das eine Befreiung, deren Intensität sich auf den Zuschauer sofort überträgt. Vor der Tür des zur Falle gewordenen Apartments liegt eine Stadt, deren pulsierende Energie Daremo Shiranai in seinen Bildern einfängt. Er hält diese Energie aber gleichzeitig in unerreichbarer Distanz – denn die kleine Liebesgeschichte, die sich dann sogar anbahnt zwischen dem Ältesten und einem Mädchen, ihre Erfüllung wirkt von Anfang an unerreichbar. So tastet sich der Film fort zwischen der ausweglosen Situation, auf die die Kinder zurückgeworfen sind und kleinen Momenten des Optimismus, und dieses Schwanken macht wohl die große emotionale Kraft des Filmes aus.
Die Kommentarfunktion ist vorübergehend deaktiviert.